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Siehe auch die Kapitel Presse                   
Aus Bolligen wird Bollingen - 1. April 2009!
Aus Bolligen wird Bollingen.
Artikel von Simon Wälti in Bund Online vom 1. April 2009. Vollständiger Text:


Noch am 1. April,  gleich am Anfang der, kam die offizielle Klarstellung und entlarfte den Presseartikel als Aprilscherz:
Bolligen bleibt Bolligen.          
Vollständiger Text:
Der Bund publizierte die bei ihm eingehende Kommentare. Die Thurgauerin Anette Büchi schrieb:  

"Ich kann allen versichern: Im Kanton Thurgau ist das kein Aprilscherz, sondern totaler Ernst und völlig unsinnig. In unserem Kanton wurden sage und schreibe mehr als 60 % ALLER Flur- und Ortsnamen entweder verschweizerdeutscht oder bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt! Rotbühl wurde zu Roopel, Siegensee zu Zigeze usw. usf."
Der Artikel im Bund erschien in zahlreichen weiteren Zeitungen, z.B. Baslerzeitung, Bernerzeitung, Tagesanzeiger und Thurgauerzeitung unter dem Titel "N - ein Dorf sucht einen Buchstaben". Die meisten Artikel zu diesem Aprilscherz vom 1. April 2009 stehen auf der.  

    
Thurgauer rega Zeitung
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Dieser Wanderwegweiser zeigt 12 Wanderziele an. Der Wegweiser steht auf dem Nollen. Nun schreibt man Nole. Die Schreibweise Nollen muss nun auch auf allen Wegweisern, die zum Nollen führen, angepasst werden.
Wenn aus Rotbühl Roopel wird.  vom 25. 5. 2009.
Text Christof Widmer, Bild Donato Caspari. 
Vollständiger Text mit Bild, derselbe vollständige Text ohne Bild .
Bemerkungen des Redaktors dieser Webseite vom 26. 5. 2009 zum Text vom 25. 5. 2009.
  • Christof Widmer stützt sich als Autor dieses Artikels vor allem auf auf den Namenforscher Eugen Nyffenegger und den Kantonsgeometer Christian Dettwiler. Diese bilden zusammen mit einem Vertreter der Gemeinde die sogenannte Nomenklaturkommission des Kantons Thurgau. Einige dieser Aussagen scheinen mir nicht richtig zu sein:
  • Im Kanton Thurgau seien 25'000 Flurnamen bereinigt worden. Der Bund habe 1970 die Vereinheitlichung der Schreibweise von Orts- und Flurnamen angeordnet. Ich finde jedoch in der Sammlung des Bundesrechts keine solche Anordnung. Es sind denn auch nur die Kantone Thurgau und Schaffhausen, welche die Schreibweisen ihrer Lokalnamen umfassend verändert haben.
  • Die bisher hochdeutschen Bezeichnungen müssten in den Grundbüchern von einer standardisierten Schreibweise abgelöst werden. Wo ist die Kostenschätzung der 20 Thurgauischen Grundbuchkreise für diesen Aufwand? Ferner müssten Strassentafeln geändert werden. Und die ungezählten Anwohnerinnen und Anwohner an diesen Strassen, welche Adressänderungen an alle betroffenen Stellen senden müssen? Wie viele Wegweiser und Ortstafeln sind zu ersetzen? Wie gross ist der Aufwand aller Amtsstellen für die Änderungen der Schreibweisen von Lokalnamen in deren Akten? In der  des Ortschaften- und Siedlungsverzeichnisses mussten für 1'265 Siedlungen 2'178 verschiedene Schreibweisen angegeben werden!  
  • Diese Aufzählung zeigt nur einige der  Aufwendungen für die Änderungen der Schreibweise von Lokalnamen. Sind die gesamten entstehenden volkswirtschaftlichen Kosten bekannt?   Haben der Grosse Rat des Kantons Thurgau und die Regierung Kenntnis davon? Und wer beschreibt die Unsicherheiten und Umtriebe während der jahrelangen Übergangszeiten? 
  • Die Arbeit der Umbenennungen "dürfte noch im Jahre 2009 abgeschlossen werden". Ist dies zulässig, nachdem der Bund im Art. 4 der seit dem 1. Juli 2008 rechtskräftigen "" u.a. verlangte: "Geografische Namen und ihre Schreibweise dürfen nur aus öffentlichem Interesse geändert werden."
  • Nach meiner Meinung ist die Änderung der bisherigen Schreibweise der Lokalnamen im Kanton Thurgau ein kostspieliger administrativer Leerlauf. Mit einem Bruchteil des benötigten Geldes hätte die Mundart wohl wirksamer direkt gefördert worden können.

Kommentare und zusätzliche Informationen auf der Webseite "".
12 Kommentare in der  zum Text vom 25. 5. 2009.


Leserbriefe in der Thurgauer Zeitung zum Text vom 25. 5. 2009.
   

  • Kostspieliger, administrativer Leerlauf,
    zwei Leserbriefe vom 29. 5. 2009 von Annette Büchi und Paul Märki..
       
  • Bewährtes nicht in Frage stellen,
    Leserbrief vom 2. Juni 2009 von Karl Knuser, Wängi..
        
  • Glatter, geschäftsschädigender Unsinn,
    zwei Leserbriefe vom 3. Juni 2009 von Dr. phil. Peter Schmid, Frauenfeld
    und Irene Franz, Restaurant Thurberg, Weinfelden..


Das Wesentliche gekürzt und zusammengefasst:

  • "Herrn Nyffeneggers Lebenswerk in Ehren, aber zur Schriftsprache der Landeskarten sollte es nicht werden" ().
  • "Unsere Landeskarten sollten kein Tummelplatz für Sprachwissenschaftler sein, das verwirrt nur den Normalverbraucher"  ().
  • "Das leider schon weit fortgeschrittene Vorhaben ist sprachpsychologisch ein glatter Unsinn" ().
  • "Ich frage mich, wo der Nutzen dieses Tuns liegt" ().
  • "Ist es zulässig, die Schreibweise von Lokalnamen zu ändern, nachdem dies der Bund in einer Verordnung praktisch verboten hat?"  ().
  • "Der Kanton Thurgau muss sich selber mit dem eigenen Kuckucksei herumschlagen, vor allem, weil man diesen Weg eigenmächtig begonnen hat" ().
  • "Haben der Grosse Rat und die Regierung Kenntnis von den gesamten volkswirtschaftlichen Kosten?" ().
  • "Es ist höchste Zeit, diesem schlechten Scherz durch politische Intervention einen Riegel zu schieben" ().


   
Thurgauer Zeitung
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Wenn die Ambulanz Rotbühl sucht.  vom 8. 7. 2009.
Artikel von Christof Widmer. Text als PDF 
(TEXT AUF SEITE 1 DER THURGAUER ZEITUNG:)
Lokalnamen in Mundart stossen auf Kritik.
Landesweit hat der Thurgau am radikalsten die Mundartschreibweise von Lokalnamen eingeführt. Nicht alle haben Freude daran.

     FRAUENFELD - Im Thurgau steht die Bereinigung der Orts- und Flurnamen nach jahrelanger Arbeit kurz vor dem Abschluss. Dabei hat der Kanton auf die Mundartschreibweise von Lokalnamen umgestellt. Keine Freude an der neuen Schreibweise von Siedlungsnamen haben die Notfalldienste. Die kantonale Notrufzentrale kann nicht ausschliessen, dass es deswegen zu Verzögerungen bei Rettungseinsätzen kommt. Kritisch äusserte sich auch die Rettungsflugwacht. Gerade bei Alarmrufen von Ausländern wäre die bisherige hochdeutsche Ortsbezeichnung besser, heisst es dort. 
     Mit der neuen Schreibweise von Lokalnamen steht der Thurgau landesweit isoliert da. Nur Schaffhausen ging ähnlich weit. Kritik kommt vom Zürcher Raumplaner Paul Märki. Der Thurgau habe übertrieben. Auf Bundesebene gilt seit letztem Jahr eine neue Verordnung. Sie sieht die Anlehnung an die Schriftsprache vor. Der Bund verlangt aber nicht, dass der Thurgau die Mundartschreibweise zurücknimmt. (wid)  Seite 13
(TEXT AUF SEITE 13 DER THURGAUER ZEITUNG:)
Wenn die Ambulanz Rotbühl sucht 
Wie kaum ein anderer Kanton lässt der Thurgau Lokalnamen in Mundartversion schreiben. Das bereitet den Notfalldiensten Kopfzerbrechen.

     FRAUENFELD - Eine Ambulanz ist unterwegs Richtung Fischingen. Die Notrufzentrale hat sie nach Rotbühl geschickt. Der Beifahrer findet die Siedlung nicht auf der neuen Karte. Dort ist sie als Roopel verzeichnet. Der Sachverhalt klärt sich zwar auf. Die Szene ist aber symptomatisch für die Folgen der neuen Mundartschreibweise von Siedlungs- und Flurnamen im Thurgau (siehe Box), die für die Landeskarten automatisch übernommen wird.
     Gerade für die Notfalldienste bringt das Probleme. Die kantonale Notrufzentrale und die Rettungsdienste können deswegen Verzögerungen in Rettungseinsätzen nicht ausschliessen. Nötig wäre eine aufwendige Anpassung der Ortsdatenbank, heisst es dort. Aber die Notrufzentrale sei gar nie involviert worden. Auch die Rettungsflugwacht äussert sich kritisch. Gerade wenn Alarmrufe von Ausländern oder von Schweizern mit einem anderen Dialekt eingehen, sei eine hochdeutsche Ortsbezeichnung klarer, sagt Rega-Sprecher Christian Trottmann.
     Thurgau als Ausnahme
     Mit dieser Problematik steht der Thurgau fast allein da. Mit der ausgedehnten Mundartschreibweise von geografischen Namen ist der Kanton zusammen mit Schaffhausen eine landesweite Ausnahme. In den beiden Kantonen sei übertrieben worden, sagt Paul Märki. Der ehemalige Professor für Raumplanung am Technikum Rapperswil betreibt die Internetseite lokalnamen.ch, die sich kritisch mit der Änderung der Schreibweise von Lokalnamen befasst.
     Das Thurgauer Namenbuch, das die Grundlage für die neue Schreibweise ist, sei eine grosse wissenschaftliche Leistung, sagt Märki. Bloss sei das kein Grund, Lokalnamen auf Landkarten anders zu schreiben. Die Änderungen hätten zu einem Durcheinander geführt. So ist Märki ein Beispiel bekannt, wo die Regierung selber die hochdeutsche Schreibweise verwendet.
     Den Vorwurf Märkis, dass die Thurgauer Namenbereinigung Bundesvorgaben widerspricht, will das Bundesamt für Landestopografie nicht bestätigen. Nach jahrelangem Hin und Her setzt der Bund inzwischen aber wieder auf eine an die Schriftsprache angelehnte Schreibweise. Geografische Namen sollten nur geändert werden, wenn dies in öffentlichem Interesse sei, sagte Fridolin Wicki, stellvertretender Chef des Bundesamts. Gerade aus Sicht der Notfalldienste könne eine mundartliche Schreibweise zu Problemen führen. Der Bund werde aber vom Thurgau nicht verlangen, die neuen Namen zurückzunehmen, sagte Wicki.
     Eine Gewöhnungssache
     Die Aussage, dass der Thurgau bei der Bereinigung überbordet hat, stellt Kantonsgeometer Christian Dettwiler in Frage. Der Kanton befinde sich im Einklang mit den Vorgaben des Bundes. Man habe eine konsequente Schreibweise umgesetzt. Er dreht den Spiess um: Die hochdeutsche Schreibweise führe zu denselben Verständigungsproblemen, wenn jemand einen Siedlungsnamen in seinem Dialekt nennt. Für etliche Flurnamen gäbe es keine hochdeutschen Alternativen. Die neue Schreibweise ist laut Dettwiler Gewöhnungssache. Moderne EDV-Lösungen erlauben die Suche nach Namen, deren Schreibweise ein Sachbearbeiter nicht genau kenne.     CHRISTOF WIDMER
(BOX AUF SEITE 13 DER THURGAUER ZEITUNG:)
Neue Namen für kleine Siedlungen
    
Die Bereinigung der Thurgauer Orts- und Flurnamen steht kurz vor dem Abschluss (TZ berichtete). Der Kanton stellt dabei auf eine konsequente Mundartschreibweise um. Nicht betroffen sind übergeordnete geografische Namen wie Thur sowie Namen von Politischen Gemeinden und von alten Ortsgemeinden. Kleinere Siedlungen werden aber neu gemäss der ortsüblichen Aussprache geschrieben, etwa Eggertshuuse statt Eckartshausen (Birwinken), Renedaal statt Rennental (Raperswilen) oder Woorebärg statt Wahrenberg (Affeltrangen). (wid)
Kommentare und zusätzliche Informationenauf der Webseite "".
5 Kommentare in der  zum Text vom 8. 7. 2009
3 Leserbriefe in der Thurgauer Zeitung zum Text vom 8. 7. 2009
  • Kantonsgeometer Dettwiler (oder schreibt er sich nun Dättwiiler - es ist ja nur eine Gewöhnungssache!)
    Leserbrief vom 13. 7. 2009 von Annette Büchi. PDF.
  • Adressanpassungen kosten die Betroffenen schlussendlich Millionen von Franken
    Leserbrief vom 14. 7. 2009 von Urs Gassmann. PDF.
  • Das sinnlose Durcheinander kann nur so gelöst werden: Für alle bewohnten Siedlungen wieder die früher geltenden Schreibweisen einführen!
    Leserbrief vom 14. 7. 2009 von Andreas Laimbacher. PDF.
  
Thurgauer Zeitung

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Christof Widmer. Redaktor, Thurgauer Zeitung.
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Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 5. 9. 2009:
Christof Widmer hat mit diesem Leitartikel die Situation im Kanton Thurgau auf treffende Weise zusammengefasst und beurteilt. Er und weitere RedaktorInnen der Thurgauer Zeitung sowie zahlreiche Leserbriefe haben dazu beigetragen, dass nur wenige Wochen nach Erscheinen dieses Leitartikels die Regierung bereit war, ihren jahrelangen Widerstand aufzugeben und die extremmundartliche Schreibweise der Lokalnamen zu überprüfen.
Roopel, Äppeste, Holpmishus: Wer zieht die Notbremse?   vom 11. 7.2009.
Artikel von Christof Widmer. Ganzer Text als PDF, nur Frontseite als PDF.
(TEXT AUF SEITE 10 DER THURGAUER ZEITUNG:)
LEITARTIKEL: CHRISTOF WIDMER ÜBER DIE NEUE MUNDARTSCHREIBWEISE VON SIEDLUNGSNAMEN IM THURGAU.
ROOPEL, ÄPPESTE, HOLPMISHUS: WER ZIEHT DIE NOTBREMSE?

  
Namen sind ein Identifikationsmittel. Wer sie ändert, ändert Wahrnehmung und Selbstverständnis dessen, was der Name bezeichnet, Das haben die Verantwortlichen im Thurgau zu wenig bedacht, als sie in den letzten Jahren 25'000 Orts- und Flurnamen bereinigten. Dabei stellte der Kanton auf eine radikale Mundartschreibweise um, wie sie ausser Schaffhausen kein anderer kennt. Das beginnt sich erst nach und nach für die Öffentlichkeit auszuwirken. Die Landeskarten nehmen die von den Kantonen festgelegten Namenautomatisch auf, Der Nollen heisst heute Nole, Hunzikon wurde zu Hunzike, Hackborn zu Hackbere. Andere Weilernamen wurden bis zur Unkenntlichkeit verändert: Holzmannshaus wurde zu Holpmishus, Wahrenberg zu Woorebärg. Berüchtigt ist Rotbühl, das neu Roopel heisst. Verschont von der Mundartschreibweise bleiben nur die Namen der Politischen Gemeinden und der alten Ortsgemeinden.
   
Viele Gemeinden lehnen dem Vernehmen nach die neuen Lokalnamen ab. Gewehrt hat sich nur Sirnach und wurde vom zuständigen kantonalen Departement in die Schranken gewiesen. Darauf machten die anderen die Faust im Sack und hofften, dass die neuen Namen in den Vermessungsplänen einschlummern. So lässt man es zwar zu, dass Sigensee auf der Karte neu Zigeze heisst. Die Strasse, die dorthin führt, ist aber nach wie vor die Sigenseestrasse. Der nur passive Widerstand dürfte sich rächen: Wenn das Tiefbauamt beginnt, Wegweiser und Ortstafeln auszuwechseln, werden die Lokalpolitiker Farbe bekennen müssen. Dann werden die neuen Namen in den Alltag eindringen, wird jemand für alle sichtbar in Äppeste statt in Eppenstein wohnen.
     Es gehe um den Schutz der Mundart, lautet ein Argument für die Umbenennungsaktion. Tatsächlich ist bei der Einführung der schriftsprachlichen Bezeichnungen vor zig Jahrzehnten gesündigt worden. Alte Bedeutungen wurden verwaschen. Rheinklingen hat nichts mit dem Rhein oder dem Klingen zu tun, sondern war die Siedlung des Richilo, was in der Dialektform Rüchlinge nachklingt.
  
Es ist das grosse Verdienst des Namenforschers Eugen Nyffenegger, solche Bezüge im Thurgauer Namenbuch erforscht zu haben. Dass nun auf Basis dieser Arbeit altertümliche Schreibweisen auf modernen Landkarten auftauchen, ist des Guten zu viel. Die schriftsprachlichen Namen sind akzeptiertes Identifikationsmittel, alte Aussprachen dürften längst nicht mehr allen Einwohnern geläufig sein - in Zeiten mit vielen Zuzügern sowieso. Die von der kantonalen Nomenklaturkommission verordneten Umbenennungen richten bloss ein Durcheinander an, das lebensgefährlich werden kann: Die Rettungsdienste können nicht ausschliessen, dass es zu Verzögerungen kommen kann, weil die Einsatzziele nicht mehr immer klar identifizierbar sind.
     Bisher behaupteten die kantonalen Verantwortlichen stets, Bundesvorgaben umzusetzen. Tatsächlich bestanden vor einigen Jahren im Bundesamt für Landestopografie Bestrebungen, die geografischen Namen näher an die Mundart zu fuhren. Das scheiterte aber am Widerstand aus den Kantonen. Die letztes Jahr in Kraft gesetzte Bundesverordnung sieht darum die Anlehnung an die Schriftsprache vor. Doch der Thurgau war in ungebremster Eigeninitiative oder vorauseilendem Gehorsam schon viel zu weit und konnte nicht mehr zurück - mit dem Resultat, dass unser Kanton als kauziges Land mit exotischen Namen dasteht.
Auch wenn damit der Schildbürgerstreich perfekt wäre: Eigentlich muss jemand die Notbremse ziehen. Noch können Nutzen und Schaden abgewogen, kann korrigiert werden, wo überbordet wurde. Eine nüchterne Betrachtung kommt zu folgendem Ergebnis: Je kleiner und lokaler begrenzt die Einheit ist, desto eher kann sie einen Dialektnamen tragen - ein Acker etwa, Ortsnamen aber sollten die bisherige Form behalten.

  

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Beim Bahnhof Wil steht auf dem Wanderwegweiser bereits die neue Schreibweise Nole statt Nollen. Es ist zu hoffen, dass die neuen extrem mundartlichen Schreibweisen so lange nicht realisiert werden, bis sie offiziell wieder rückgängig gemacht worden sind.
Quelle:.


Bemerkungen des Redaktors dieser Webseite vom 11. 7. 2009 zum Text vom 11. 7. 2009.
Der Redaktor C. Widmer von der Thurgauer Zeitung hat mit diesem Leitartikel die Situation im Kanton Thurgau auf treffende Weise zusammengefasst und beurteilt. Ich füge lediglich bei: Je rascher für bewohnte Gebiete die extreme mundartliche Schreibweise der Lokalnamen rückgängig gemacht wird, umso eher kann der entstandene Schaden noch begrenzt werden.
  
Thurgauer Zeitung

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Gehirn-Jogging  vom 18. 7.2009.
Artikel von Ida Sandl. Ganzer Text als HTML.
Nicht als Sonnenstube, aber - dank den unterschiedlichen Schreibungen von Ortsnamen - als «Textstube» der Schweiz könnte man den Thurgau bezeichnen. 
  
Thurgauer Zeitung
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Werner Keller hat einen Bauernhof in Rotbühl und ist mit dem neuen Siedlungsnamen Roopel gar nicht einverstanden.
«Ich wohne im Rotbühl, nicht im Roopel».   vom 21. Juli 2009.
Text und Bild Marc Engelhard.
Bild in der Spalte links. Text ohne Bild
Dieser Artikel erschien am 21. 7. 2009 unter dem Titel "Wenn die Karte Velofahrer total verwirrt" auch in den Online-Ausgaben der folgenden Zeitungen: Basler Zeitung, Berner Zeitung, Der Bund und Tages Anzeiger.
Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • «Das ist Blödsinn, wir sind im Rotbühl zu Hause», meint der 68-Jährige Werner Keller, der seit 22 Jahren dort lebt. 
  • Kellers Nachbarin Margrith Böhi holt ein Heftlein, in dem Milchlieferungen vermerkt sind. Der erste Eintrag ist von 1879 - und bezieht sich auf den Bauernhof im «Rotbühl». 
  • Unterhalb vom Rotbühl entfernt der 77-Jährige Paul Böhi auf einer Weide Unkraut: «Solange ich denken kann, sage ich Rotbühl. Und das sind bald 80 Jahre». 
  • Annette Büchi aus Fischingen: «Ich finde schon gut, dass die Mundart geschützt wird. Ein Buch über die alten Namen hätte aber gereicht.» 


Auf diesen Artikel beziehen sich.

  
Thurgauer Zeitung


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Thurgau "Mist, falsche Karte"


Neue Flurnamen - neue Kritik.   vom 23. Juli 2009, online 00 h.
Text Marc Haltiner. Cartoon Tom Werner.
Vollständiger Text, ohne Bild,
Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Auf der politischen Ebene stossen die Aktivitäten der Nomenklaturkommission des Kantons auf grosse Skepsis.
  • Einen ersten Vorstoss mit kritischen Fragen hat  noch vor der Sommerpause deponiert.
  • SVP-Fraktionschef Stephan Tobler rechnet damit, dass nach der Sommerpause noch weitere Vorstösse eingereicht werden. Seine Kritik fällt deutlich aus. «Ich finde es total daneben, was hier läuft.» In seiner Zeit als Gemeindeammann von Roggwil habe sich der Gemeinderat gegen die neuen Flurnamen gewehrt, sei aber vom Kanton zurückgewiesen worden.
  • EVP/EDU-Fraktionschef Matthias Müller: «Es ist übertrieben, wie der Kanton in dieser Sache vorgeht.»
  • Für die CVP stelle sich vor allem die Frage von Kosten und Nutzen der neuen Namensgebung, sagt Fraktionschefin Carmen Haag.
  • FDP-Fraktionschef Hans Munz äussert Hochachtung vor dem Namenbuch von Eugen Nyffenegger. Man müsse sich aber ernsthaft die Frage stellen, ob alle Namen geändert werden müssten. «Ich habe den Eindruck, dass der Kanton schneller läuft, als die Musik spielt.»
  • GP-Fraktionschef Klemenz Somm: «Der Kanton versucht chrampfhaft, das Rad der Geschichte zurückzudrehen.» Es würden Steuergelder verwendet, um Namen zu ändern, ohne dass ein Bedürfnis dafür bestehe.
  • SP-Präsident Peter Gubser. Ihm komme die Aktion wie die neue Rechtschreibung vor. Zuerst gebe es einen Langschuss mit vielen neuen Schreibweisen, dann werde zurückgerudert.

 

  


Thurgauer Zeitung


(Dasselbe Bild wie in der Ausgabe vom 21. Juli 2009)


Flurnamen: Gemeinden wollen sich wehren.
   vom 23. Juli 2009, online 12 h.
Von Marc Haltiner.
Vollständiger Text, ohne Bild,
Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Der Unmut der Bevölkerung über die neuen Flurnamen ruft nun auch die Gemeinden auf den Plan. Der Verband der Thurgauer Gemeinden will Massnahmen prüfen, wie er die Umbenennung der Siedlungen stoppen könnte.
  • Widerstand leisteten bisher allerdings nur wenige Gemeinden. «Bei einer Mehrheit der Gemeinden ist das Thema Flurnamen schlicht untergegangen», räumt Roland Kuttruff, der Präsident des Verbandes der Thurgauer Gemeinden (VTG), ein.
  • Roland Kuttruff hat inzwischen in seiner Gemeinde Tobel-Tägerschen die Flurnamen überprüft. Der Gemeinderat habe bei der Zonenplanänderung die neuen Mundartbegriffe tatsächlich übersehen. Kuttruff will das Thema jetzt an der VTG-Vorstandssitzung im August auf das Tapet bringen. Der Verband müsse sich überlegen, wie er die Umbenennung stoppen oder neue Namen nachträglich korrigieren könne.
  
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Moderatorin der Sendung Schweiz aktuell
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Annette Büchi, "Wandersfrau" aus Fischingen TG
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Karl Knuser, Mitglied der Thurgauer Wanderwege
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Eugen Nyffenegger, Flurnamenforscher und Verfasser des Thurgauer Namenbuches
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Heidi Grau, Frau Gemeindeammann der Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf
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Christian Dettwiler, Kantonsgeometer, Chef der kantonalen Nomenklaturkommission
Flurnamen sorgen für Verwirrung. Schweizer Fernsehen SF1.  Sendung Schweiz aktuell vom 24. Juli 2009. Dauer 5 Minuten.
Bericht von Christian Lipp.

Vollständige Sendung. Je nach PC kann das Herabladen einige Minuten dauern.
Einige Textausschnitte aus der Sendung:
Fernsehmoderatorin:Im Kanton Thurgau herrscht geografische Verwirrung. Was auf den Wanderwegweisern steht, findet man nun nicht unbedingt auch auf der Landkarte. Denn auf der offiziellen Karte des Kantons sind die Flurnamen nun nicht mehr in der alten Schreibweise verzeichnet, sondern auf Mundart. So heisst es nun Roopel, statt Rotbüel oder Holpmishus statt Holzmannshaus. Das sorgt bei manchem Wanderer, aber auch in den verschiedenen Thurgauer Gemeinden zu Kopfschütteln 
und Unverständnis.
Annette Büchi:Kein Mensch, der hier wohnt, sagt Roopel, alle in dieser Gegend sagen Rotbühl.
Karl Knuser:Es ist eine unmögliche Situation, wenn auf der Karte etwas anderes steht als auf dem Wegweiser, und das stört mich an dieser Sache.
Eugen Nyffenegger:Die Schreibweise auf den Karten muss man seit 1948 ausrichten nach eidgenössischen Weisungen, und dort ist verlangt, dass Flurnamen von lokaler Bedeutung in Mundart geschrieben werden müssen. Dazu ist auch der Kanton Thurgau verpflichtet. 
Heidi Grau:Auf der Gemeindeverwaltung von Zihlschlacht-Sitterdorf ist man unzufrieden über die neuen Schreibweisen. Zum Beispiel heissen einige Häuser und der Campingplatz in ihrer Gemeinde seit jeher Leutswil und nun steht in den Karten Lütschwiil. In allen Verzeichnissen und amtlichen Dokumenten steht hingegen Leutswil. Wenn etwas passiert, findet man Lütschwiil zum Beispiel mit den neuen Navigationsinstrumenten nicht mehr und das ist unverantwortlich.
Eugen Nyffenegger:Die Adressen sind im Kanton Thurgau seit 20 Jahren fest, zum Beispiel für Roopel sind die Häuser in der Adressdatei als Rotbühl angeschrieben und es ist kein Problem, dass Rettungsdienste oder Polizei Rotbühl finden.
Moderator Christian Lipp:Bereits tauchen im Kanton Thurgau die ersten neuen Wegweiser auf. Nollen heisst ein beliebter Aussichtspunkt. Wer aber diesen und das Ausflugsrestaurant sucht, findet auf der Karte und bereits auf einigen Wegweisern nur noch die Schreibweise "Nole".
Christian Dettwiler:Es ist anzunehmen, dass im Rahmen des ordentlichen Unterhaltes die neuen Schbreibweisen auf den Wegweisern übernommen werden. 
Moderator Christian Lipp:Bis das, was auf dem Wegweiser steht mit der Schreibweise auf der Karte übereinstimmt, kann es noch Jahre dauern, denn auch im Kanton Thurgau muss man sparen. Die Verwirrung bleibt also noch jahrelang: Roopel statt Rotbühl, Holpmishus statt Holzmannshaus. Hoffentlich verirrt sich da niemand". 
Extremmundartliche Schreibweise. Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 27. Juli 2009:

  • Eugen Nyffenegger sagt: Die Schreibweise auf den Karten muss man  ausrichten nach eidgenössischen Weisungen, und dort ist verlangt, dass Flurnamen von lokaler Bedeutung in Mundart geschrieben werden müssen." 
  • Dies stimmt nicht. Die  verlangen mit sehr differenzierten Bestimmungen eine gemässigte Mundartschreibweise. Nur die Kantone Thurgau und Schaffhausen haben eine extremmundartliche Schreibweise eingeführt. Leider wurden sie unterstützt vom. 
  • Der Versuch dieser Amtsstellen, der extremmundartliche Schreibweise nachträglich eine Rechtsgrundlage zu geben, scheiterte mit der  zum "Entwurf 2005 Toponymische Richtlinien" und der   zum "Leitfaden 2006".
  • Seit dem 1. Juli 2008 gelten gemäss Art 4 der  folgende Grundsätze:
    1. Geografische Namen sind einfach schreib- und lesbar und werden allgemein akzeptiert.
    2. Sie werden, soweit möglich und sinnvoll, in Anlehnung an die Standardsprache (Schriftsprache) der Sprachregion formuliert.
    3. Geografische Namen und ihre Schreibweise dürfen nur aus öffentlichem Interesse geändert werden.


Neue Gebäudeadressen? Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 28. Juli 2009:

  • Eugen Nyffenegger sagt: Die Adressen sind im Kanton Thurgau fest.
  • Er verzichtet offenbar darauf, die Änderung der Gebäudeadressen zu verlangen, weil dies viel zu aufwändig wäre.
  • Bisher galt jedoch: Eine Örtlichkeit - eine Identität - eine einheitliche Schreibweise! Dies wurde von der Bevölkerung und von den Gemeinden sehr geschätzt - und das soll nun verloren gehen!


PS. Holzmannshaus - Holpmishus - Hopmishuus
Hier ein Beispiel dafür, wie verwirrend die extreme Mundartschreibweise ist: Offiziell schreibt man statt Holzmannshaus Holpmishus. In der  hiess es Hopmishuus, also gleich zwei Orthografiefehler in einem einzigen Wort!

  
Thurgauer Zeitung, 2 Leserbriefe
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Der Weiler Esserswil und der Strassenname Esserswilerstrasse. Eines Tages erscheint auf den amtlichen Karten die Schreibweise "Esserschwiil. Dies provoziert einen Wirrwarr von Schreibweisen!
Quelle der Abbildungen:
Zwei Leserbriefe in der  vom 30. Juli 2009.
Diese Leserbriefe beziehen sich auf den Artikel in der.
Kantonsrat Thomas Merz-Abt 

Seit Jahrzehnten ist das Weinfelder Ausflugrestaurant Thurbergbekannt unter diesem Namen. Nicht von ungefähr heisst die Internetadresse www.thurberg.ch, und auch auf Landkarten und unzähligen Wegweisern steht übereinstimmend derselbe Name, unter dem auch Navigationsgeräte zielsicher das Restaurant fanden. Von der Öffentlichkeit unbemerkt, erhielt der Thurberg nun plötzlich den Namen Tuurbärg. Auf Landkarten, Wegweisern und Strassenschildern stehen nun unterschiedliche Begriffe. Wer auf google.earth sucht, muss «Thurberg» eingeben, wer auf map.search.ch sucht, findet unter «Thurberg» das Restaurant nicht mehr.
     Doch der Thurberg ist kein Einzelfall, sondern dasselbe geschah in den letzten Jahren mit Tausenden von Thurgauer Flurnamen. Es entsteht zunehmend Verwirrung. Und wenn demnächst auch noch die Ortstafeln und Wegweiser geändert werden, wird sich manch ein Thurgauer verwundert die Augen reiben, wo er plötzlich wohnt...
     Immer deutlicher wird der Widerstand gegen die Änderung Tausender Orts- und Flurnamen. Es scheint mir, als werde zunehmend mehr Leuten bewusst, auf welch einen abenteuerlichen Kurs die Thurgauer Nomenklaturkommission geraten ist. Vor allem aber wird auch immer mehr Leuten bewusst, welchen Aufwand und welche Kosten dies noch auslösen wird.
     In meiner  bat ich den Regierungsrat im Juni unter anderem um eine Kostenschätzung. Meine persönliche Schätzung liegt bei Kosten in siebenstelliger Höhe - und dies für eine Aktion, die bloss Verwirrung stiftet und Unverständnis und Ärger auslöst. Und die privaten Kostenfolgen sind noch nicht eingerechnet. Dass der Regierungsrat die Einfache Anfrage seither noch nicht beantwortet hat, verstehe ich gut. - Aufgrund des zunehmenden politischen Widerstands ist hier aber sicher ein Marschhaltangesagt, bevor nun in grossem Stil Tausende von Schildern ausgewechselt werden. Der fürs Departement für Inneres und Volkswirtschaft zuständige Generalsekretär Andreas Keller hat jedenfalls bereits angedeutet, dass auch im Departement solche Überlegungen bestehen. Ein solcher Halt ist zwar spät - aber umso wichtiger.
Thomas Merz-Abt, Kantonsrat CVP, Weinfelden
  
Otto Müller, Hurnen
Der Bund habe eine Vereinheitlichung der Orts- und Flurnamen angeordnet. Wie sieht das aus? Von Eschlikon Richtung Aadorf erreichen wir Maischhausen, das zu Maischhuuse wurde, es folgt Guntershausen, das diese Bezeichnung behält. Auch Ettenhausen bleibt Ettenhausen. Aus Hurnen wurde Hurne, während dem kleineren Horben seine hochdeutsche Würde erhalten bleibt. Die Begründung, man habe die Namen der ehemaligen Ortsgemeinden erhalten wollen, ist wohl ein schlechter Witz, wenn man vereinheitlichen wollte. Viel schlimmer sind jedoch die Namen-Verstümmelungen.
     Beispiel 1: Herderen zu Häädere. Herderen ist eine abgegangene Siedlung beim jetzigen Schützenhaus Eschlikon. Während der Jahrhunderte, da es diese Siedlung gab, hiess sie Herderen. Niemand in unserer Gegend hat je Häädere gesagt.
     Beispiel 2: In der Gemeinde Eschlikon gibt es den Weiler Eichholz. Neu ist daraus Aachholzgeworden. Nach Nyffenegger habe man Rücksicht auf die ortsübliche Aussprache genommen. Ich wohne in der achten Generation in Hurnen, nie wurde in der Familie Aachholz ausgesprochen. Auch in der Mundartform heisst der Weiler seit Jahrhunderten Eichholz.
     «Dass sich die vor Jahrzehnten eingeführten hochdeutschen Bezeichnungen da und dort eingebürgert haben, räumt auch Nyffenegger ein», steht in der Zeitung «Wenn einer 50 Jahre etwas liest, sagt er es auch.» Das ist Unsinn. Die Verhochdeutschung fand nicht vor Jahrzehnten, sondern im 17. Jahrhundert statt. In der Evangelischen Kirchgemeinde Sirnach genau 1658. Der Familienname Brun war in Hurnen und Than mehrfach vertreten. Bis 1657 sind alle Kinder auf den Namen Brun getauft worden. Ab 1658 wechselte der Pfarrer zur hochdeutschen Bezeichnung Braun, ob getauft, konfirmiert, verheiratet oder gestorben, er benutzte nur noch Braun als Familiennamen, auch für jene, die noch als Brun getauft wurden. Zur gleichen Zeit wurde aus den Grütter Greuter, den Lüttenegger Leutenegger, aus dem Weiler Flügenast Fliegenast, aus Rüttibach Reutebach etc.
     Es bleibt zu hoffen, dass die Gemeinden diesen Unsinn nicht mitmachenund keine Ortstafeln auswechseln oder Gemeindepläne abändern.
Otto Müller, Hurnen

   
Thurgauer Zeitung


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"Gemeinden können auf Schildern die eine von beiden Schreibweisen in Klammern aufführen". Regierungsrat Kaspar Schläpfer.


Schläpfer: Kein Zurück bei Flurnamen.  Online-Ausgabe vom  30. Juli 2009.
Interview Christof Widmer. Bild Susann Basler.
Auf Mundart umgestellt (Widmer)
Die Bereinigung der Thurgauer Orts- und Flurnamen ist nötig, weil für die Vermessungspläne und Grundbücher verbindliche Bezeichnungen gefordert sind. Der Kanton stellt dabei auf eine konsequente Mundartschreibweise um (etwa Eggertshuuse statt Eckartshausen). Nicht betroffen sind Namen von Politischen Gemeinden und von ehemaligen Ortsgemeinden. Die Namen aus den Vermessungsplänen werden für die Landeskarten übernommen. Das so ersichtliche Ausmass der Neubenennungen hat im Thurgau eine Kontroverse ausgelöst, die auch die Politik erreicht hat. Aus dem Grossen Rat wurden Vorstösse angekündigt.
CHRISTOF WIDMER, FRAGEN:
REGIERUNGSRAT SCHLÄPFER, ANTWORTEN:
Wo würden Sie lieber wohnen: In Frauenfeld oder in Frauefäld? In Frauenfeld. Das resultiert schon daraus, dass Gemeindenamen schriftdeutsch geschrieben werden und im eidgenössischen Verzeichnis verbindlich festgelegt sind. Für Leute, die in kleineren Siedlungen wohnen, ist diese Frage nicht hypothetisch. Sie ärgern sich darüber, dass ihre Ortschaften neu in Mundart geschrieben werden. Haben sie Verständnis dafür? Nur beschränkt. Die Mundartbezeichnungen sind nur verbindlich für die amtliche Vermessung und die Grundbücher. Für die Gebäudeadressierung und die Strassennamen sind die Gemeinden zuständig. Stimmt die Aussage eines Mitglieds der zuständigen Nomenklaturkommission, dass als letzter Schritt auch die Ortstafeln ersetzt werden?
Mir ist keine Vorschrift in meinem Zuständigkeitsbereich bekannt, wonach Gemeinden die Ortstafeln in ihren Weilern ändern müssen. Wenn sie im Rahmen von Unterhaltsarbeiten eine Tafel ersetzen, hoffe ich aber, dass sie die Namenfrage prüfen. So oder so dringen die Mundartbezeichnungen in den Alltag ein. Aus den Vermessungsplänen werden sie in die Landkarten übernommen. So wird ein Durcheinander mit verschiedenen Schreibweisen angerichtet. Ich sehe nicht, dass das ein Durcheinander gibt. Wenn in Einzelfällen Verwirrung entstehen sollte, gibt es Möglichkeiten, Unsicherheiten zu vermeiden. Zum Beispiel können Gemeinden auf Schildern die eine von beiden Schreibweisen in Klammern aufführen. Die Rettungsorganisationen im Kanton können wegen des Namen-Wirrwars nicht mehr garantieren, rechtzeitig vor Ort zu sein. Das ist an den Haaren herbeigezogen. Die Rettungsorganisationen sind derart gut vertraut mit den Lokalitäten, dass sie jede Siedlung finden. Ich anerkenne aber, dass mit den Navigationsgeräten Probleme entstehen können.Die Systeme stammen von privaten Anbietern. Diese werden allfällige Probleme schon bald lösen können. Betroffene Eigentümer können dabei sicher auch nachhelfen. Was ist der Sinn, wenn Ortsbezeichnungen auftauchen, die den Einwohnern selber nicht geläufig sind? Wenn Rotbühl neu Roopel heisst, bewegt man sich weit weg vom Alltag der Menschen. Die zuständigen Behörden haben Namen verwendet, die heute in der alteingesessenen Bevölkerung noch bekannt sind. Ich lege Gewicht darauf, dass wir mit den Mundartbezeichnungen ein wichtiges Kulturgut aufbereiten und erhalten konnten. Wie wir Schlösser und Klöster pflegen, sollten wir auch unser Namensgut achten. Die Namen geben Einblick in Geschichte, Geologie oder Arbeitsmethoden. Der Name Rotbühl ist irreleitend. Er hat nichts mit der Farbe Rot zu tun, sondern kommt von Rodung. Der historisch-kulturelle Wert von Namen ist die eine Seite. Man könnte genauso gut sagen, dass sich die Leute an die bisherigen schriftdeutschen Namen gewöhnt haben. Sie sind ebenfalls Kulturgut geworden. Diese Namen bezeichne ich nicht als unser Kulturgut. Es sind vielfach Verfälschungen der ursprünglichen Namen. Man hat den Eindruck, dass über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden worden ist. Auch die Gemeinden reagierten jüngst verärgert. Der Vorwurf ist unzutreffend. Die Ortsnamen wurden von der Nomenklaturkommission für die Vermessung und die Grundbücher festgelegt. In der Kommission sind die Gemeinden jeweils vertreten. Der Gemeinderat fasst auch Beschluss über die neuen Namen. Man kann deshalb nicht sagen, dass die Gemeinden nicht berücksichtigt worden sind. Das Vorgehen ist in aller Regel akzeptiert worden. Mit der Akzeptanz scheint es nicht mehr weit her zu sein. Es ist absehbar, dass es nach der Sommerpause im Grossen Rat breit abgestützte Vorstösse gegen die neuen Flur- und Siedlungsnamen geben wird. Unterschiedliche Ansichten gehören zum politischen Leben. Bis jetzt ist eine Einfache Anfrage eingereicht worden. Diese wird der Regierungsrat beantworten. Stimmt der Eindruck, dass bei der Überarbeitung der Orts- und Flurnamen im Thurgau eine Eigendynamik entstanden ist, die aus dem Ruder gelaufen ist? Nein, das ist nicht richtig. Seit über 30 Jahren laufen die Arbeiten zur Festlegung der Orts- und Flurnamen. Der Kanton Thurgau wendet dabei eine konsequente Mundartschreibweise an, wie andere Kantone auch. Es gibt aber Kantone, die das weniger konsequent machen - etwa Zürich. Wenn man mit dem zuständigen Bundesamt spricht, bekommt man den Eindruck, dass der Thurgau froh sein muss, wenn er die ganze Übung nicht rückgängig machen muss. Das trifft nicht zu. Wir haben seitens des Bundes mehrfache Bestätigungen, dass sich der Kanton auf dem richtigen Weg befindet. Wäre es nicht gescheiter gewesen, wie Zürich eine weichere Linie zu fahren? Es besteht kein Anlass, nach 30 Jahren noch eine Änderung vorzunehmen. Für 95 Prozent des Kantonsgebiets sind die Orts- und Flurnamen rechtskräftig festgelegt. Zudem freut es mich persönlich, dass man dieses Kulturgut auf diesem Weg erhalten konnte. Es ist logisch, dass wir bei den noch ausstehenden fünf Gemeinden den gleichen Kurs weiterführen sollten. Besteht die Möglichkeit, dass man bei besonders umstrittenen Ortsnamen zurückbuchstabiert? Kein Zurück gibt es bei den amtlichen Vermessungsplänen, den Grundbüchern und damit auch bei den Landeskarten. Die Namen der Politischen Gemeinden und von Bahn- oder Postautostationen sind vom Bund geregelt. Was die Gemeinden mit Strassen- oder Weilernamen machen, ist weitgehend ihnen überlassen. Mein Departement schreibt nicht vor, ob Leutswil oder Lütschwiil auf der Ortstafel steht.

(ThurgauerZeitung. Erstellt: 30.07.2009, 06:24 Uhr)

  
"In Tsüri, Gämmf und Sanggale wär's vielleicht anders..."
Kommentar von Annette Büchi vom 30. Juli 2009

Die Aussagen Herrn Schläpfers zielen nun dermassen am Grundtenor der Bevölkerung vorbei, dass es schon bald sträflich ist. Fast ausschliesslich alle Leserbriefe, Kommentare und Erfahrungen gehen in die andere Richtung. Es ist absolut keine Akzeptanz der "neuen" Namen festzustellen. In Tsüri, Gämmf und Sanggale wär's vielleicht anders...

  
Thurgauer Zeitung
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Jrene und Daniel Franz wollen die Namensänderung nicht akzeptieren.
«Thurberg» kämpft um den Namen.   vom 4. August 2009.
Text: Urs Brüschweiler. Bild: Susann Basler.
Bild in der Spalte links. Text ohne Bild
Dieser Artikel erschien unter dem Titel "Wirrwarr um den Thurberg" auch in den Online-Ausgaben folgender Zeitungen: St. Galler Tagblatt, Ausgabe Thurgau, Seite 32 vom 4. 8. 2009 und Wiler Zeitung vom 5. 8. 2009.


Einige Ausschnitte aus dem Text:

  • Wegen der Änderung der Flurnamen soll ihr Familienbetrieb Restaurant Thurbeg ob Weinfelden nun plötzlich auf dem «Tuurbärg» stehen. Jrene und Daniel Franz sind aufgebracht.
  • «Niemand hatte vorher mit uns gesprochen.» Das sei geschäftsschädigend.
  • «Wer im Navigationssystem den Thurberg sucht, findet nie und nimmer den “Tuurbärg”», so Daniel Franz.
  • Man habe Einsprache erhoben beim Kanton. Das Einzige, was bisher dabei herausgeschaut habe, sei die Antwort gewesen, wonach sie ihr Restaurant selbstverständlich nennen dürften, wie sie wollten? der offizielle Flurnamen bleibe aber.
  • «Wir wollen, dass diese Änderungen rückgängig gemacht werden», sagt Jrene Franz.
  • Der Weinfelder Gemeinderat Walter Strupler äusserte sich auf Anfrage ebenfalls kritisch zu den Namensänderungen. «Hier wurde wohl übers Ziel hinausgeschossen.
  • Die Gemeinde Weinfelden werde sicher keine Tafeln und Schilder ändern, welche in ihrem Verantwortungsbereich lägen.

Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 6. 8. 2009

Der Thurgau und die Thur sind zwei überall bekannte Begriffe. Das Restaurant Thurberg steht auf dem Thurberg an der Thur. Es hat die Adresse Thurbergstrasse 29 und die Webseite www.thurberg.ch. Leider wird diese sprachliche Einheit zerstört, weil nun Bund und Kanton auf Karten statt Thurberg Tuurbärg schreiben. Dies ist ein weiteres Beispiel für den heutigen sprachlichen Wirrwarr im Kanton Thurgau!   
Tagblatt für den Kanton Thurgau
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Veralteter Wanderwegweiser: Der Nollen heisst auf den Karten jetzt Nollen [hier falsch abgeschrieben: Nolen statt Nole].
Tagblatt für den Kanton Thurgau vom 4. August 2009.
Text: Markus Schoch. Bild: Reto Martin.
TITELSEITE
Umstrittene Flurnamen. Der Thurgau ändert die Flurnamen konsequent auf eine mundartliche Schreibweise. Nur noch fünf der 80 Gemeinden fehlen. Nun regt sich der Widerstand. Doch für eine Umkehr ist es zu spät.


Zwei Ausschnitte aus dem Text:

  • Die Kritik an den neuen Flurnamen ist nicht neu. Bereits vor fünf Jahren verlangte der Frauenfelder Kantonsrat Werner Dickenmann vom Regierungsrat, an den bestehenden Flurnamen festzuhalten. Der Regierungsrat wies die Kritik zurück.
  • Die regierungsrätliche Erklärung hatte kein politisches Nachspiel und es gab keinen Sturm der Entrüstung.

Vollständiger Text auf der Titelseite des Tagblattes für den Kanton Thurgau:


SEITE 19
Flurnamen sorgen für rote Köpfe.
In den letzten Jahren sind im Thurgau Tausende von Flurnamen systematisch in eine mundartliche Schreibweise geändert worden. Jetzt, kurz vor Ende des Projekts gibt es lautstarke Kritik. Regierungsrat Kaspar Schläpfer ist erstaunt.

Vollständiger Text auf Seite 19 des Tagblattes für den Kanton Thurgau:
  
Thurgauer Zeitung

Hans Weibel, a. Grundbuchverwalter, Ermatingen: Bei der Besprechung von Kaufverträgen musste ich mehrere Mal Bemerkungen entgegennehmen: «Werden bei euch keine Tippfehler korrigiert? Was soll Maazerooa?»
Drei Leserbriefe in der Thurgauer Zeitung, Online-Ausgabe, vom 7. August 2009.
Hans Weibel, a. Grundbuchverwalter, Ermatingen.
Vollständiger Leserbrief:
Mit Interesse habe ich die verschiedenen Artikel über die Änderung von Flurnamen gelesen. Auch ich habe mich bei der Einführung des EDV-Grundbuches in Ermatingen öfters über die Schreibweise geärgert.
     Vor allem musste man drei- oder viermal hinschauen, damit keine Schreibfehler passierten. So wurde z.B. aus Matzenrein – Maazerooa oder aus Höhnwilen Hääwiile. Kein Mensch weiss aber, wo Hääwiile liegt. Der Drovettisberg wurde zum Truettisbärg verunstaltet. Nach Intervention eines Anwohners, welcher mit einer Urkunde belegen konnte, dass ein Herr Drovetti auf diesem Berg gewohnt hat, wurde uns versichert, dass der Truettisbärg wieder zum Drovettisberg wird. Das Westerfeld, welches im Westen von Ermatingen liegt, wurde zum Wösterfäld. Hat das nun etwas mit Westen, mit Wäsche oder mit was zu tun?
     Bei der Besprechung von Kaufverträgen musste ich mehrere Mal Bemerkungen entgegennehmen: «Werden bei euch keine Tippfehler korrigiert?»Bei der Besprechung von Kaufverträgen musste ich mehrere Mal Bemerkungen entgegennehmen: «Werden bei euch keine Tippfehler korrigiert?
     Meiner Meinung nach wurde übers Ziel hinausgeschossen und Fehler wie z.B. Truettisbärg, das sicher Drovettisberg heissen muss, in die Pläne aufgenommen.
Hans Weibel, a. Grundbuchverwalter, Ermatingen.
Kurt Müller, Hurnen.
Jörg Hürlimann, Arbon.
  
Thurgauer Zeitung
Flurnamen: "Mundartnahe" Umbenennungen soll es weiterhin geben. Artikel von rsa/sda in der Thurgauer Zeitung vom 7. August 2009.

Ausschnitte aus dem Text:

  • Das Leserbriefthema Nummer 1 im Thurgau wird vorläufig bleiben: Die Kantonsregierung will Orts- und Flurnamen im Rahmen der Vermessung weiterhin «mundartnah» festsetzen. Sie will aber künftig der «breit geäusserten Kritik mehr Rechnung tragen».
  • Kein Kurswechsel
  • Von Matzenrein zu Maazerooa
  • Brauchtumserhalt kontra GPS

Derselbe Artikel erschien am 7. August 2009 im Liechtensteiner Volksblatt.
  
Thurgauer Zeitung
WÖRTLICH
Kleines Problem

Kaspar Schläpfer, Regierungsrat
Glosse in der Thurgauer Zeitung vom 8. August 2009 zum Artikel in der Thurgauer Zeitung vom 30. Juli 2009.
"Wenn wir im Thurgau keine grösseren Probleme als die plötzliche Aufregung über die Flurnamen haben, geht es uns wirklich gut. Echte Schwierigkeiten wegen der Namen dürfte es nur selten geben."
"Was die privaten Navigationssysteme betrifft, so bin ich zuversichtlich, dass diese bald Lösungen für die jetzt unbefriedigenden Fälle finden werden."
  
Thurgauer Zeitung

Dies ist die Lösung für den Wirrwarr von Schreibweisen im Kanton Thurgau.
Regierungsrat gegen Kurswechsel bei den Flurnamen   vom 8. August 2009.
Text: Christof Widmer.   
"Fürs Lexikon, nicht für Karten," dies ist die Lösung für den Wirrwarr von Schreibweisen im Kanton Thurgau. Der Verfasser des Thurgauer Namenbuches war frei, welche Schreibweise er für die Aussprache eines Lokalnamens wählte. Doch hätte man die Schreibweise des Namenbuches nicht unbesehen für die Karten verwendet dürfen!
  
Thurgauer Zeitung
Regierungsrat gegen Kurswechsel bei den Flurnamen.  vom 8. August 2009.
Text Christof Widmer.

Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Die Thurgauer Regierung hält an der eingeschlagenen Umbenennung fest.
  • Die Regierung will bei den Siedlungsnamen «der breit geäusserten Kritik mehr Rechnung» tragen.
  • Merz-Abt hat auf Facebook die Gruppe «Gegen die unsinnige Veränderung von Flurnamen» gegründet. Ziel sei es, die politischen Kräfte zu bündeln im Hinblick auf einen weiteren Vorstoss im Grossen Rat. Bis gestern hatte die Gruppe 38 Mitglieder, unter ihnen SVP-Präsident Walter Marty und FDP-Kantonsrat Peter Schütz.

  
Tages Anzeiger

Thurgau bleibt dabei: Roopel statt Rotbühl.  Tages Anzeiger vom 8. August 2009. SDA

Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Der Tages Anzeiger übernahm diese Meldung von der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA). Die SDA provozierte dabei gleich selbst ein Beispiel für die Probleme mit der extremen Mundartschreibweise, indem sie Nolen schrieb statt der offiziellen neuen Schreibweise Nole!
  • Das gegenwärtige Leserbriefthema Nummer 1 bleibt dem Thurgau erhalten.
  • Die Thurgauer Regierung will künftig der «breit geäusserten Kritik mehr Rechnung tragen». Denn in den vergangenen Wochen hagelte es in der Lokalpresse Leserbriefe.

  
Thurgauer Zeitung
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Der Regierungsrat denkt trotz Kritik nicht daran, die Umbenennung der Flurnamen zu stoppen.
Druck wird verstärkt   vom 11. August 2009.
Text: Marc Haltiner. Bild: Nana do Carmo.

Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Der Regierungsrat will an den Mundart-Flurnamen festhalten und er denkt nicht daran, die [Einführung neuer Schreibweisen] zu stoppen.
  • Geändert würden die Namen ohnehin nur auf den Karten. Die Neubeschriftung von Ortsschildern und Wegweisern sei Sache der Gemeinden.
  • Genau da liege aber das Problem, sagt CVP-Kantonsrat Thomas Merz-Abt, der die Einfache Anfrage eingereicht hat. Nach der regierungsrätlichen Antwort drohe ein Wirrwarr an unterschiedlichen Namen in den elektronischen Systemen, auf Karten und auf Schildern.
  • Kantonsrat Thomas Merz-Abt: «Ich will, dass wir mit einem blauen Auge aus der verfahrenen Lage herauskommen.» Seine Facebook-Gruppe gegen neue Flurnamen umfasst bereits 100 Mitglieder.
  • SVP-Fraktionschef Stephan Tobler, der Gemeindeammann von Egnach: «Die Umbenennung war eine Übung am grünen Tisch und ohne viel Praxiserfahrung.» Ein leichtes Unterfangen werde es nicht sein, die neuen Flurnamen zu bereinigen. Dennoch sei der Unmut gross, und die Regierung müsse handeln.
  • Die Antwort der Regierung sei zu selbstgerecht ausgefallen, findet SP-Präsident Peter Gubser.
  • FDP-Fraktionschef Hans Munz verteidigt die Regierung.
  • Roland Kuttruff, der Präsident des Verbandes der Thurgauer Gemeinden (VTG): Die Gemeinden hätten die Brisanz der Umbenennung klar unterschätzt. Die Aktion des Kantons sei grundsätzlich fragwürdig.
  • Die Gemeinden wollen «retten, was zu retten ist».

  
Thurgauer Zeitung

Noch am Samstag hiess es, die Regierung bleibe bei der Festlegung der neuen Flurnamen, nun wird ein Stopp eingelegt.
Marschhalt bei den Flurnamen.  vom 13. August 2009.
Text: bai/sda. Bild: Susann Basler.

Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Regierungsrätliche Kehrtwende.
  • Noch am Samstag hiess es, die Regierung bleibe bei der Festlegung der neuen Flurnamen, nun wird ein Stopp eingelegt.
  • Die heftige Kritik im Thurgau an der «mundartnahen» Umbenennung von Flurnamen zeigt Wirkung: Das Volkswirtschaftsdepartement (DIV) hat die Umbenennung bis Frühling 2010 gestoppt. Zum weiteren Vorgehen soll bis dahin eine Kommission Vorschläge erarbeiten.

  
Thurgauer Zeitung

Kaspar Schläpfer: «Ich musste feststellen, dass Kritik und Unmut gross sind.»
«Ich sage: Lieber spät als nie.»  vom 14. August 2009.
Interview: Marc Haltiner. Bild Susann Basler.

Einige Ausschnitte aus dem Interview und aus dem Text:
  • Regierungsrat Kaspar Schläpfer zieht die Notbremse. Nach massiver Kritik an den neuen Mundart-Flurnamen soll eine Arbeitsgruppe die Lage neu beurteilen.
  • Warum der plötzliche Meinungsumschwung? "Ich ging davon aus, dass es nur vereinzelte Kritik an den neuen Flurnamen gebe. Ich musste aber feststellen, dass Kritik und Unbehagen gross sind. Das hat mich veranlasst, einen Marschhalt anzuordnen. Auch erfahrene Gemeindeammänner und Grundbuchverwalter erklärten mir, sie hätten Ärger und Probleme mit den Mundart-Begriffen."
  • Hätten Sie nicht früher auf den Unmut der Bevölkerung reagieren müssen? "Das Amt für Geoinformation setzte die Arbeit fort, die der Regierungsrat ja schon vor 30 Jahren beschlossen hat. Es gab lange Zeit nur wenige kritische Stimmen. Ich realisierte erst im Lauf der letzten Wochen, dass die Verärgerung wesentlich grösser ist."
  • Gemeinden fordern Rückkehr zu alten Flurnamen. Lange hatten sich die Gemeinden nicht gegen die neuen Mundart-Flurnamen gewehrt. Gestern Morgen befasste sich der Vorstand des Verbandes der Thurgauer Gemeinden (VTG) nun aber mit dem umstrittenen Projekt.
  • Die Gemeinden seien erfreut, dass Regierungsrat Kaspar Schläpfer einen Marschhalt beschlossen habe, sagt VTG-Präsident Roland Kuttruff.
  • CVP-Kantonsrat Thomas Merz-Abt, der mit seinem Vorstoss zu den Flurnamen Druck machte: Mindestens die Namen von Siedlungen und Höfen – geschätzte 3000 – müssten wieder die [früheren] Bezeichnungen erhalten.
  • Merz-Abt kritisiert den Fahrplan: Es sei zu spät, umstrittene Flurnamen erst im Lauf des nächsten Jahres zu ändern.

Thurgauer Zeitung - der meistgelesene Artikel
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Diese Tabelle steht auf der Frontseite der Thurgauer Zeitung.
Ein Klick auf das Bild zeigt die Vergrösserung.
"Meistgelesen" heisst der Titel einer Aufzählung von 9 Zeitungsartikeln.
An 1. Stelle steht der Artikel: "Nichts als Ärger mit den Flurnamen".
"Nichts als Ärger mit den Flurnamen". vom 21. August 2009.
Text: Melissa Müller.

"Meistgelesen". Online-Ausgabe vom 23. August 2009.
Auf der Frontseite der Thurgauer Zeitung steht unter dem Titel "Meistgelesen" an 1. Stelle:
"Nichts als Ärger mit den Flurnamen". 

Thurgauer Zeitung
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Hermann Lei: «Offensichtlich kann die Bevölkerung mit 95 Prozent der Mundart-Flurnamen gut leben».
«Mundart-Namen gefallen mir». vom 25. August 2009.
Text: Marc Haltiner. Bild: Nana do Carmo.

Kommentar des Redaktors dieser Webseite: Ich teile die Freude von KR Lei an Mundart-Ausdrücken. Leider fehlt in seinen Ausführungen jegliches Verständnis für die praktische Funktion von Lokalnamen auf Landeskarten und in der amtlichen Vermessung. Einige willkürlich aufgezählte Beispiele: Zugriff in der Verwaltung zu früheren Akten, Gebäudeadressen, Beschreibungen in Geologie, Archäologie, Raumplanung, Heimatkunde. Wegweiser, Rettungsdienste usw.
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Knatsch um TG Mundart-Flurnamen. Radio TELETOP.
Sendung vom 31. August 2009. Dauer 3 Minuten.

Bericht Claudia Huber.
Die von 15 Minuten Dauer enthält von der Minute 3 bis zur Minute 6 den Abschnitt "Knatsch um TG Mundart-Flurnamen".
Dass die Schreibweise auf den Wegweisern nicht mehr mit jener auf Karten übereinstimmt, sorgt bei der Bevölkerung für Unmut.
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Ursula Fraefel, Chefredaktorin der Thurgauer Zeitung.
Die neue extremmundartliche Schreibweise kommt mir vor, wie wenn man wieder mit Holzöfen heizen würde, um eine Tradition zu erhalten. Dabei spielt doch im Alltag die Praktikabilität die grössere Rolle. Ich werte die Einsetzung einer Arbeitsgruppe als ersten Erfolg. Ich bin der Meinung, dass man einen Flurnamen-Kompromiss machen könnte und die veränderte Schreibweise von Lokalnamen dort rückgängig machen würde, wo Leute betroffen sind.
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Andreas Keller, Volkswirtschaftsdepartement TG, Leiter der von Regierungsrat Schläpfer eingesetzten Arbeitsgruppe.
Die Kritik entzündet sich vor allem dort, wo es um die Schreibweise der Lokalnamen von besiedelten Gebieten, von Einzelhöfen, Restaurants oder Ausflugsorten geht. Dass man aber die veränderte Schreibweise von Äckern und Wäldern rückgäng macht, kann ich mir weniger vorstellen.
Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 5. Sept. 2009:
Neben der Schreibweise der Lokalnamen von besiedelten Gebieten sind auch weitere Lokalnamen wichtig. Beispiel: Historische, naturwissenschaftliche oder landschaftliche Objekte, bei denen der Bezug zu vorhandenen schriftlichen Aufzeichnungen nicht leichtfertig erschwert werden soll.
Thurgauer Zeitung
Nein zu den Mundart-Flurnamen.  vom 31. August 2009.
Von Marc Haltiner.

Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Eine grosse Mehrheit der TZ-Leserinnen und -Leser will zurück zu den hochdeutschen Flurnamen. Nur gerade 2,9 Prozent der Leserschaft spricht sich für die Mundart-Flurnamen aus, wie die grosse TZ-Umfrage zeigt.
  • Insgesamt beteiligten sich 2626 Personen an der Umfrage. 2551 Leserinnen und Leser, also 97,1 Prozent, finden die Mundart-Flurnamen unnötig.
  • Die Umbenennung der Flur- und Siedlungsnamen erstreckte sich im Thurgau über Jahrzehnte. Einige Gemeinden wehrten sich gegen die Entscheide der Nomenklaturkommission, konnten sich beim Kanton aber nicht durchsetzen.

Kommentar des Redaktors dieser Webseite:
Präzis formuliert sollte der Verfasser dieses Artikels schreiben: Nein zur extremmundartlichen Schreibweise, zurück zur gemässigten Mundart-Schreibweise gemäss 

  
Thurgauer Zeitung

Die Arbeitsgruppe zu den Flurnamen ist bekannt.
Flurnamen: Regierung setzt Arbeitsgruppe ein.  Online-Ausgabe vom 31. August 2009.
Text: bai. Bild: Susann Basler.

Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Regierungsrat Kaspar Schläpfer hat einen umfangreichen Auftrag an eine Arbeitsgruppe erteilt, welche die tatsächliche und rechtliche Situation im Zusammenhang mit den Orts- und Flurnamen analysieren wird.
    Die Mitglieder der Arbeitsgruppe sind:
  • 1. Leiter der Gruppe: Andreas Keller, Generalsekretär des Departementes für Inneres und Volkswirtschaft;
  • 2. Christian Dettwiler, Kantonsgeometer;
  • 3. Andy Heller, Kantonsingenieur;
  • 4. Roland Kuttruff, Präsident des Verbandes Thurgauer Gemeinden;
  • 5. Kantonsrat Thomas Merz-Abt, der am 15. Juni 2009 die Einfache Anfrage eingereicht hat.
  • Beispiele von Abklärungen, welche die Arbeitsgruppe bis im Frühjahr 2010 dem Departementschef vorzulegen hat:
  • Ermitteln, wie viele Lokalnamen in wie vielen Gemeinden bereits festgesetzt, in Bearbeitung oder noch nicht bearbeitet sind;
  • Ermitteln, welchen Spielraum das Bundesrecht den Kantonen bei der Festsetzung der Namen gewährt, wie der Kanton Thurgau diesen Spielraum genutzt hat und welchen Grundsätzen er bisher gefolgt ist;
  • Ermitteln, wie weiter verfahren werden soll.

Hinweis des Redaktors dieser Webseite:
damit allfällig revidierte Schreibweisen von Lokalnamen vor dem Jahre 2016 in den Landeskarten 1:25'000 berücksichtigt werden können.

Thurgauer Zeitung
Das kann nur eine Zeitung.
Der Kommentar der Chefredaktorin Ursula Fraefel zum Leser-Nein bei der TZ-Umfrage zu den Flurnamen.
  vom 31. August 2009.
Von Ursula Fraefel.

Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Auch eine Regionalzeitung muss den Mächtigen auf die Finger schauen. Und manchmal muss sie ihnen sogar eins drauf hauen.
  • Die neuen Flurnamen seien akzeptiert, behaupteten Namensforscher und Regierung während Monaten. Unsere Umfrage beweist nun aber: Eine überwältigende Mehrheit ist mit den Mundart-Namen nicht einverstanden.
  • Den Bewohnern ist nicht egal, wie ihre Siedlungen heissen. Hoffentlich gelangen nun auch die Verantwortlichen zur Einsicht, dass die gut gemeinten Mundart-Namen wieder rückgängig gemacht werden müssen.

Thurgauer Zeitung

Die Arbeitsgruppe zu den Flurnamen ist eingesetzt.
Weg aus dem Flurnamenstreit gesucht.  vom 1. September 2009.
Text: Christof Widmer. Bild: Donato Caspari.

Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Die Kritik an der [extremen] Mundartschreibweise von Orts- und Flurnamen wird immer deutlicher. Eine Arbeitsgruppe soll der Regierung Vorschläge machen, wie nun vorzugehen ist. Vertreten sind auch Kritiker der [extremen] Mundartschreibweise.
  • Dass über die Jahre Tausende von Orts- und Flurnamen in Grundbüchern und Vermessungsplänen in einer radikalen Mundartschreibweise festgeschrieben wurden und so auch auf den Landkarten auftauchen, stösst in der Bevölkerung auf bares Unverständnis. Das zeigt auch die gestern veröffentlichte TZ-Umfrage.
  • Interessant ist auch, wer der Arbeitsgruppe nicht angehört: Namenforscher Eugen Nyffenegger. Der Autor des Thurgauer Namenbuchs sitzt mit dem Kantonsgeometer in der Kommission, welche die Orts- und Flurnamen festlegt. Sein Einfluss war von Gemeindevertretern kritisiert worden. Dass Nyffenegger als zentrale Person nicht in der Arbeitsgruppe sei, unterstreiche deren Unabhängigkeit, sagt Keller.

Tages Anzeiger
Wenn die Dialektwelle die Feuerwehr in die Irre führt.  vom 2. September 2009.
Von Antonio Cortesi.
Dieser Text erschien auch in den Online-Ausgaben der folgenden Zeitungen: Thurgauer Zeitung, Basler Zeitung, Berner Zeitung und Der Bund.
Vollständiger Text als   und als .
Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Im Thurgau tobt ein Streit um die Schreibweise von Ortsnamen. Die Umbenennung auf Mundart ärgert die Bevölkerung.
  • Mit dem Rückgriff auf uralte Mundartbezeichnungen werde «ein wichtiges Kulturgut erhalten», begründet der zuständige Regierungsrat Kaspar Schläpfer die namenkundliche Radikalkur. Er rechnete aber nicht mit dem Widerstand in der Bevölkerung, und der ist massiv.
  • An vorderster Front kämpft der Thurgauer CVP-Kantonsrat Thomas Merz gegen die «sinnlose Aktion». «Noch wäre der richtige Zeitpunkt für einen Abbruch der Übung», sagt er, «auch aus Kostengründen.»

Zu diesem Artikel erschien am 4. September 2009 im Tagsanzeiger folgender
Leserbrief: Vom Zürcher "Pfannenstil" zum Thurgauer "Tuurbärg".
Als früherer Gemeindeingenieur von Meilen erlebte ich hautnah die sinnlosen Umtriebe die es gab, als auf den Landeskarten während einiger Jahre der Pfannenstiel ohne "ie" geschrieben wurde. Sollte die Pfannenstielstrasse in Pfannenstilstrasse umbenannt werden? Sollten die die zahlreichen Wanderweg-Wegweiser mit der veränderten Schreibweise auf der Landeskarte koordiniert werden? Lokalnamen auf Karten sind ein Orientierungsmittel und müssen nach meiner Meinung - wie unsere Geschlechtsnamen auch - immer dieselbe Schreibweise beibehalten. Diesem Grundsatz widme ich seit vier Jahren die Webseite www.lokalnamen.ch. Sie beschreibt kritisch die Entwicklungen der Schreibweise von Lokalnamen auf den Verwaltungsebenen Bund, Kanton und Gemeinde. Diese fortwährenden Informationen haben dazu beigetragen, dass nun voraussichtlich im Kanton Thurgau die wichtigsten Lokalnamen wieder wie früher geschrieben werden und die extremmundartlichen Schreibweisen verschwinden. PAUL MÄRKI, HOMBRECHTIKON.
Vollständiger Text als   und als .
Webseite der Gemeinde Märstetten

Flurnamen-Theater: Licht ins Dunkel... , kopiert am 6. September 2009.
Geschrieben von Jürg Schumacher am 02. 09. 2009, zuletzt aktualisiert am 04. 09. 2009.
Vollständiger Text mit Bildern als   und ohne Bilder als .
Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • In den Medien wird seit Wochen zum Thema "Mundart-Bezeichnungen" nur die halbe Wahrheit verbreitet. Im Zeitalter von Mundart-SMS staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Schauermärchen von per GPS fehlgeleiteten Ambulanzen und Feuerwehren machen die Runde.
  • Hier deshalb eine Stellungnahme von Jürg Schumacher als Gemeindeammann von Märstetten.
  • Die sogenannten "Flurnamen" sind schon seit Jahrzehnten in allen Landeskarten 1:25'000 verzeichnet. Sie wurden vor etwa 30 Jahren mittels Befragungen von damals 80-90-jährigen Einwohnerinnen und Einwohnern festgestellt und sind seit anfangs der 70er-Jahre im Gebrauch, ohne dass es Probleme gegeben hätte.
  • In den vergangenen Jahren wurden lediglich die bereits vor Jahrzehnten festgelegten Mundart-Flurnamen nochmals systematisch erfasst und nach und nach in halbtägigen Besprechungen mit Gemeindevertretern sowie nun heute 80-90 Jahre alten Einwohnern nochmals überprüft und allenfalls betreffend Lage (Parzelle) und Aussprache korrigiert. Jede politische Gemeinde konnte dazu Stellung nehmen. Wer dies verpasst hat, sollte heute nicht jammern!
  • In keinem einzigen, auf dem Markt verfügbaren GPS-Navigationsgerät sind Flurnamen gespeichert. Die Routenplanung basiert ausschliesslich auf Strassennamen (die unverändert bleiben) oder der Bezeichnung von Einrichtungen (Restaurants, Hotels, Parkhäuser, Sehenswürdigkeiten).
  • Ein wirkliches Problem dürfte vielmehr - oder gerade umgekehrt - darin zu suchen sein, dass vielleicht ein neuer - womöglich deutscher - Mitarbeiter auf der Notrufzentrale nicht wissen kann, dass ein Anrufer mit "z'Busslig brennt's" die Ortschaft "Bussnang" meint oder dass "Stäckborä" unter "Steckborn" gesucht werden muss. Diese Beispiele liessen sich beliebig fortsetzen und haben rein gar nichts mit den Mundart-Flurnamen zu tun.

Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 8. 9. 2009:
Es ist technisch möglich, dass bei allen digitalen Programmen sämtliche verwendeten Schreibweisen eines Lokalnamens gespeichert werden. Die Realisierung einer solchen Idee dürfte dagegen einige praktische Probleme bieten!
     Leider beschränkt sich Herr Schumacher auf das Thema Rettungsdienste. Die anderen Probleme, die sich bei der Änderung der Schreibweise von Lokalnamen ergeben, sind nach meiner Meinung mindestens ebenso wichtig. Sie werden auf dieser Webseite ausführlich behandelt, zum Beispiel im Kapitel 44.3 bei der Aufzählung von
  
Thurgauer Zeitung
Grossformat
Bild: Tom Werner
Mit Dialekt fürs Vaterland. Online-Ausgabe vom 4. September 2009.
Text: Christof Widmer. Bild: Tom Werner.
Die umstrittene Mundartschreibweise von Orts- und Flurnamen stammt aus der Zeit der Geistigen Landesverteidigung. Der Thurgau war dafür empfänglich.
A. Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Die Auseinandersetzung zwischen Sprachwissenschaftern und Kartografen reicht zurück in die Zeit der Geistigen Landesverteidigung gegen Nazi-Deutschland.
  • Staatsarchivar André Salathé vermutet, dass der Grenzkanton noch lange besonders empfänglich für die Ideale der Geistigen Landesverteidigung war. Die zuständige kantonale Nomenklaturkommission erfasste zusammen mit örtlichen Gewährsleuten die genaue Aussprache der Lokalnamen. Dabei wurde das Sprachbild der heutigen Grossväter-Generation konserviert. Parallel dazu erarbeitete Namenforscher Eugen Nyffenegger das Thurgauer Namenbuch, in dem alle Orts- und Flurnamen sprachwissenschaftlich erfasst und hergeleitet werden. Diese Arbeit gab wesentliche Impulse für die amtliche Festlegung der Lokalnamen, zumal Nyffenegger Mitglied der Nomenklaturkommission ist.
  • Erstaunlicherweise löste dieser Prozess über Jahrzehnte kaum Kritik aus. Das Unverständnis über die teils exotisch wirkenden Namen ist erst in den letzten Jahren gewachsen. Das mag daran liegen, dass sie erst seit 1998 auf den Landeskarten erschienen und der Öffentlichkeit bekannt wurden.
  • Einen eigentlichen Machtkampf haben sich Sprachwissenschafter und Kartografen 1947 geliefert, als die Bundesweisungen für die Schreibweise von Lokalnamen () ausgearbeitet wurden. Die Szene wiederholte sich Mitte des laufenden Jahrzehnts, als versucht wurde, die Mundartschreibweise, wie sie der Thurgau anwendet, bundesweit verbindlich zu machen. Die Bemühungen scheiterten. Seit 2008 ist die Verordnung über die geografischen Namen () in Kraft.

B. Der vollständige Text:
Frauenfeld – Hooebüel statt Hohenbühl, Holpmishus statt Holzmannshaus oder Hunzike statt Hunzikon – die mundarttreue amtliche Festlegung der Thurgauer Lokalnamen löst allenthalben Kopfschütteln aus. Ob man geografische Namen in der gewohnten hochdeutschen Schreibweise oder mundartnah festhalten soll, darüber streiten sich Sprachwissenschafter und Kartografen aber schon seit Jahrzehnten. Die Auseinandersetzung reicht zurück in die Zeit der Geistigen Landesverteidigung gegen Nazi-Deutschland.
    Damals gab es starke Bestrebungen, das Schweizerdeutsche als Schriftsprache zu etablieren. Der Thurgauer Dialektologe Eugen Dieth entwarf in den 30er-Jahren sogar eine Schreibnorm für die Schweizer Dialekte. 1938 beschloss der Bundesrat, dass die Lokalnamen auf der Landeskarte mundartnah geschrieben werden sollen. Die Weisungen für die Umsetzung wurden aber erst 1948 erlassen. Sie gelten bis heute. Sie sind ein Kompromiss zwischen den Linguisten, die die gesprochene Form exakt schriftlich festhalten wollten, und Kartografen, die der Klarheit halber die hochdeutsche Form bevorzugten. Der Grundgedanke sei, die Mundart bei den Lokalnamen zu fördern unter Verwendung des aus der Schriftsprache bekannten Schriftbildes, sagt Fridolin Wicki, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Landestopografie, über die Weisungen.
Mundart auf Schulkarte
Auf Seiten der Mundartfreunde kämpfte auch der Thurgauer Staatsarchivar Bruno Meyer, der von 1937 bis 1979 im Amt war. Er soll durchgesetzt haben, dass auf den Thurgauer Schulkarten seit 1970 Weilernamen auf Mundart geschrieben werden. Bedeutung erlangte der Namenstreit erst, als der Thurgau vor dreissig Jahren damit begann, alle Orts- und Flurnamen verbindlich für die Grundbücher und Vermessungspläne zu erfassen. Diese Arbeiten wurden letzten Monat kurz vor Abschluss wegen der jüngsten Kritikwelle vom Regierungsrat gestoppt. Die Verantwortlichen im Thurgau haben die Weisungen von 1948 mundartfreundlicher interpretiert als jene anderer Kantone.
    Staatsarchivar André Salathé vermutet, dass der Grenzkanton noch lange besonders empfänglich für die Ideale der Geistigen Landesverteidigung war. Die zuständige kantonale Nomenklaturkommission erfasste zusammen mit örtlichen Gewährsleuten die genaue Aussprache der Lokalnamen. Dabei wurde das Sprachbild der heutigen Grossväter-Generation konserviert. Parallel dazu erarbeitete Namenforscher Eugen Nyffenegger das Thurgauer Namenbuch, in dem alle Orts- und Flurnamen sprachwissenschaftlich erfasst und hergeleitet werden. Diese Arbeit gab wesentliche Impulse für die amtliche Festlegung der Lokalnamen, zumal Nyffenegger Mitglied der Nomenklaturkommission ist.
Ende einer Bewegung
Erstaunlicherweise löste dieser Prozess über Jahrzehnte kaum Kritik aus. Das Unverständnis über die teils exotisch wirkenden Namen ist erst in den letzten Jahren gewachsen. Das mag daran liegen, dass sie erst seit 1998 auf den Landeskarten erschienen und der Öffentlichkeit bekannt wurden.
    Staatsarchivar Salathé vermutet aber vor allem einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel. Er spricht vom definitiven Ende der Bewegung der Geistigen Landesverteidigung: «Die Gesellschaft ist an einem anderen Ort angekommen.» Identität und Sprache der Grossväter würden heute nicht mehr als die eigenen wahrgenommen. 
(ThurgauerZeitung)
Machtkampf wiederholt sich
Einen eigentlichen Machtkampf haben sich Sprachwissenschafter und Kartografen 1947 geliefert, als die Bundesweisungen für die Schreibweise von Lokalnamen () ausgearbeitet wurden. Die Szene wiederholte sich Mitte des laufenden Jahrzehnts, als versucht wurde, die Mundartschreibweise, wie sie der Thurgau anwendet, bundesweit verbindlich zu machen. Die Bemühungen scheiterten. Seit 2008 ist die Verordnung über die geografischen Namen () in Kraft, die eine Anlehnung an die Schriftsprache vorsieht. Schon geänderte Namen sollen aber bestehen bleiben. (wid)
  
Thurgauer Zeitung

NACHGEFRAGT
Fridolin Wicki.
Stv. Direktor Bundesamt für Landestopografie, im Kurzinterview.
Namen im Thurgau mundartnaher als in anderen Kantonen.  Online-Ausgabe vom 5. September 2009.
Kurzinterview von Christof Widmer mit Fridolin Wicki, stv. Direktor Bundesamt für Landestopografie.
Im Thurgau gibt es einen Marschhalt bei der Festlegung der Lokalnamen. Ist Ihnen Ähnliches aus anderen Kantonen bekannt?
Nein. Dabei ist zu beachten, dass das Vorgehen in den Kantonen sehr unterschiedlich war. Viele Kantone haben ihre Lokalnamen bereits vor Jahren festgelegt und diese in den letzten Jahren unverändert belassen.
Kritiker behaupten, der Thurgau habe mit seiner Mundartschreibweise von Flurnamen übers Ziel hinausgeschossen und die Weisungen des Bundes sogar verletzt. Trifft das zu?
Das trifft nicht zu. Die Weisungen von 1948 geben den Kantonen einen gewissen Spielraum, mit dem den lokalen Gegebenheiten Rechnung getragen werden kann. Die Festlegung der Lokalnamen wird in den Kantonen denn auch unterschiedlich gehandhabt. Damit wird den föderalen Strukturen der Schweiz Rechnung getragen. Mit den Regelungen des Bundes sollen nur gewisse Leitplanken gesetzt werden.
Stimmt der Eindruck, dass der Thurgau zusammen mit Schaffhausen die radikalste Mundartschreibweise umgesetzt hat?
Es ist richtig, dass die Schreibweise des Kantons Thurgau mundartnaher ist als die anderer Kantone.
Die Thurgauer Behörden kritisieren die neue Bundesverordnung über die geografischen Namen, die seit letztem Jahr in Kraft ist und eine Anlehnung der Lokalnamen an die Schriftsprache vorsieht. Der Bund habe die Regeln mitten im Spiel geändert, heisst es.
Die Schreibweise wird mit den Weisungen und nicht mit der Verordnung festgelegt. Die Weisungen von 1948 wurden mit der neuen Verordnung nicht verändert. Es ist aber so, dass sie auf dem alten Recht basieren. Sie müssen nun aktualisiert und der neuen Gesetzgebung unterstellt werden. Zurzeit ist eine breit abgestützte, paritätisch zusammengesetzte Arbeitsgruppe beauftragt, diese Anpassungen vorzunehmen.  (Thurgauer Zeitung)
Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 13. 09. 2009:
Auf die Frage: "Kritiker behaupten, der Thurgau habe mit seiner Mundartschreibweise von Flurnamen übers Ziel hinausgeschossen und die Weisungen des Bundes sogar verletzt. Trifft das zu?" antwortet Wicki: "Das trifft nicht zu."
     Ich bin anderer Meinung. Die extremmundartliche Schreibweise des Kantons Thurgau hat den Spielraum der nicht nur klar verletzt, sondern ein Resultat erzielt, das im krassen Gegensatz zu den Weisungen 1948 steht! Das Bundesamt für Landestopografie hatte nachträglich zwei Versuche gemacht, die extremmundartliche Schreibweise im Gegensatz zu den formell einzuführen. Bei diesen Versuchen handelt sich um den und um den Diese Webseite schildert ausführlich den Einsatz zahlreicher Schweizerischer Fachvereine, sowie deren Erfolg, dass das Bundesamt für Landestopografie die beiden erwähnten Versuche aus den Jahren 2005 und 2006 als gescheitert aufgeben musste!
Schweizerzeit
11. September 2009,   Staatliche Kavallerieeinheiten.
Tages Anzeiger
Die folgenden Abbildungen sind Fotomontagen, enthalten im Artikel von Thomas Widmer im Tagesanzeiger vom 19. 09. 2009. Die hier folgenden Fotomontagen wurden kopiert von der Webseite, welche noch weitere Informationen zum Artikel im Tagesanzeiger vom 19. 09. 2009 enthält.


Äfs - Rafz


Eerlibach - Erlenbach


Itschne - Itschnach


Maartel - Marthalen


Üüdike - Uitikon
Zwischen Ilau und Hööraan findet sich so manches kuriose Wort.
 vom 19. September 2009.
Buchbesprechung von Thomas Widmer über:
Heinz Gallmann, Zürichdeutsches Wörterbuch. Verlag NZZ, 2009. 702 Seiten, 68 Franken.
Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 21. 09. 2009:
Das neue Zürichdeutsche Wörterbuch enthält auch viele Lokalnamen. Viele Zürcherinnen und Zürcher werden sich darüber freuen, dass sie "richtiges" Zürichdeutsch sprechen oder sie werden, gemeinsam mit zugezogenen Personen mit Interesse erfahren, "wie man eigentlich sagen sollte".
     Im Kanton Zürich steht es glücklicherweise nicht zur Diskussion, dass die Schreibweisen in den amtlichen Karten durch die Mundartschreibweisen des Wörterbuches ersetzt werden sollten. So bleibt dem Kanton Zürich der im Kanton Thurgau entstandene Wirrwar von Schreibweisen erspart.
Leserbrief im Tages-Anzeiger vom 25. September 2009: "Zur Bewahrung der Mundart".
Das neu erschienene Zürichdeutsche Wörterbuch des Meilemer Germanisten Heinz Gallmann dürfte auf sehr grosses Interesse bei der Bevölkerung stossen, da Mundart nach wie vor allgemein sehr geschätzt wird. Dieses Werk trägt in besonderem Masse zur Bewahrung der Mundart bei. Das Wörterbuch umfasst auch einige Zürcher Ortsnamen, wie sie im Dialekt ausgesprochen werden. Diese erinnern ganz an die neuen Mundartschreibweisen von Orts- und Flurnamen im Kanton Thurgau, welche nun von einer Arbeitsgruppe überprüft werden. Beispiele im Kanton Zürich: Tielschderf (Dielsdorf), Geeretschwiil (Geroldswil) und Martaale (Marthalen). Beispiele im Kanton Thurgau: Tingeschwiil (Dingetswil), Wisetaal (Wiesental) und Esserschwiil (Esserswil). MARTIN SCHLATTER, AU
Vollständiger Text als   und als . Dieser Leserbrief erschien auch in den folgenden Zeitungen: Basler Nachrichten, Berner Zeitung und Der Bund.
Thurgauer Zeitung
Grossformat
Im Laufe des Jahres 2010 sollen turnusgemäss die neuen Blätter der Landeskarte erscheinen. Auf diesen Kartenblättern würden unverändert die bisherigen, extremmundartlich geschriebenen Lokalnamen stehen und sogar noch zusätzliche, extremmundartlich revidierte Schreibweisen gemäss den bisher noch nicht realisierten Beschlüssen der Nomenklaturkommission des Kantons Thurgau.
Ein Klick auf das Bild oben zeigt 5 Beispiele von solchen zusätzlichen extremmundartlich geschriebenen Lokalnamen:
Lütmerken statt bisher Leutmerken
Holzhüseren statt bisher Holzhäusern
Wolfike statt bisher Wolfikon
Chaltebrune statt bisher Kaltenbrunnen
Battlehuuse statt bisher Battlehausen
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Grossformat
Quelle: 
Diese Webseite enthält weitere Informationen, Kartenausschnitte und Fotos.
Im Namenstreit läuft Zeit davon.  vom 24. September 2009.
Titelblatt und Seite 13.
Text: Christof Widmer. Bild: Tom Werner.
, ohne Bild.
Derselbe Artikel erschien in der Basler Zeitung, Berner Zeitung und im Bund. Gewählte Titel: "Zeitdruck im Flurnamenstreit", "Was steht nun auf den Thurgauer Landkarten?".
Titelblatt der Thurgauer Zeitung: "Zeitdruck im Flurnamenstreit. Die kantonale Arbeitsgruppe, welche die umstrittene Schreibweise der Thurgauer Orts- und Flurnamen unter die Luppe nehmen soll, gerät unter Zeitdruck. Nächstes Jahr werden die Thurgauer Blätter der Landeskarte neu gedruckt. Dann werden die schlecht akzeptierten Mundartnamen bis zur Neuauflage 2016 zementiert. Weitere Mundartnamen, die seit der letzten Kartenausgabe vor sechs Jahren festgelegt werden, könnten dazukommen."
Mögliche Lösungen (Ausschnitte aus diesem Artikel):
  • Variante 1. Neudruck der Landeskarten zurückstellen, bis die kantonale Arbeitsgruppe ihre Arbeit abgeschlossen hat.
    "Die Hoffnung, dass Swisstopo den Neudruck zurückstellt, bis die Namenfrage geklärt ist, wird vom Bundesamt enttäuscht. Eine Produktion zu stoppen sei schwierig, vor allem wenn die Luftaufnahmen gemacht seien, sagt der stellvertretende Direktor Fridolin Wicki."
  • Variante 2. Die Namen der bewohnten Gebiete im Neudruck unverändert belassen, also gemäss Schreibweisen der Landeskarten 1957-1990.
    "Das müsse aber rasch entschieden werden, sagt Kantonsgeometer Dettwiler, Mitglied der Arbeitsgruppe. Warte die Arbeitsgruppe bis April 2010, sei der Zug abgefahren."
  • Variante 3. Neudruck in kleiner Auflage, die rasch vergriffen ist. Die Resultate der kantonalen Arbeitsgruppe würden erst in der darauffolgenden Auflage (zwischen 2012 und 2016) berücksichtigt.
    "Ein solches Vorgehen würde Gemeindeverbandspräsident Roland Kuttruff, der als Kritiker der Mundartnamen in der Arbeitsgruppe sitzt, begrüssen."

Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 26. 09. 2009:
Mit meinen Analysen vom und vom im Kapitel   habe ich vermutlich den vorliegenden Artikel von Christof Widmer in der Thurgauer Zeitung provoziert. Ich befürchte, dass die Variante 3 schweizweit als Thurgauer Schildbürgerstreich belächelt würde. Die Varianten 1 und 2 sind hingegen aus meiner Sicht durchaus realisierbar - trotz der gegenwärtigen Bedenken des Bundesamtes für Landestopografie. Ausführliche Begründung in den beiden Analysen vom und vom.
Thurgauer Zeitung
25. September 2009,  Schildbürgerstreich Mundartformen.
Thurgauer Zeitung
1. Oktober 2009,  Schluss mit der Sprachverwirrung.
Thurgauer Zeitung
10. Oktober 2009,   Chuderwälsch auf der Landeskarte.
  
Grossformat
Schweizer Kanton Thurgau. Verlaufen im Wortwald.  vom 25. November 2009.
Von Martin Ebner.

Einige Ausschnitte aus dem Text:
  • Wer aus Deutschland über den Rhein fährt, hat es nicht leicht, im Thurgau anzukommen: Den Campingplatz Leutswil findet das Navigationsgerät vielleicht in Lütschwiil.
  • Nun geht das Hardcore-Schweizerdeutsch sogar Einheimischen zu weit: Massive Proteste zwangen die Kantonsregierung zu einer Denkpause. Für die neue Landeskarte müssen möglicherweise Tausende Bezeichnungen wieder geändert werden.
  • Im Auftrag der Kantonsregierung erforschte Eugen Nyffenegger die Geschichte und Bedeutung von rund 30.000 Orts- und Flurnamen. Er bildet zusammen mit dem Kantonsgeometer die Thurgauer Nomenklatur-Kommission. Zur Einschweizerung wurden stumme -n weggelassen, Vokale verdoppelt, -e zu -ä gemacht. Wahrenberg wurde offiziell zu Woorebärg, Herderen zu Häädere, Westerfeld zu Wösterfäld.
  • Gemeindenamen mit Postleitzahl blieben verschont: Sie werden vom Bundesamt für Statistik in einem eigenen Verzeichnis geführt, und Statistiker sind gegen Änderungen von Ortsnamen, weil man sonst Daten nicht mehr wieder findet. Für Bahnhöfe und Haltestellen ist das Bundesamt für Verkehr zuständig, das auf sprachgeschichtliche Überlegungen ebenfalls grantig reagiert.
  • Seit die amtlichen Schreibweisen auf Wegweisern sichtbar werden, empören sich die Thurgauer über "unnötige Umstellungskosten". Viele sind erbost, dass dieselbe Regierung den Dialekt aus der Schule verbannt und die Kinder ermahnt, auch untereinander gehoben zu sprechen. Was ist nun mit Schulausflügen? "Wir wandern von Tüüffetaal über Groossrüüti nach Bir Heejen Schirr..."
  • Man könnte Hochdeutsch in Klammern dazusetzen, etwa "Zigeze (Sigensee)", versuchte die Regierung zu besänftigen - man könnte auch abwaschbare Wegweiser nehmen, ätzte es aus dem Volk zurück.
  • Abgeordnete wurden aufsässig. Als dann die Thurgauer Zeitung eine "Notbremsung" forderte, damit man nicht "als kauziges Land mit exotischen Namen" dastehe, ruderten die Kantonsräte zurück.
  • Da am Rhein Bunker und Drahtverhaue weitgehend abgebaut wurden, bliebe dann zur Abwehr von Eindringlingen nur noch der Rundfunk. Den Wetterbericht gibt es nämlich bloß auf Schweizerdeutsch: "Deet, wo tzunä tuät fürägüxlä, ischäs mäischt sunnig..."

  
Thurgauer Zeitung


Chefredaktorin Ursula Fraefel schaut auf das vergangene Jahr 2009 zurück.
Grossformat
"Keiner will neue Flurnamen. Dabei hätte ich doch noch so viele Ideen."
Ein Klick auf das Bild zeigt dieses in voller Grösse.


Schildbürgerstreich 1: Die Flurnamen.  vom 31. Dezember 2009.
Text Ursula Fraefel. Cartoon Tom Werner.
Vollständiger Text:
Als Kaspar Schläpfer das Volkswirtschaftsdepartement übernahm, war die Flurnamen-Frage längst geregelt. Die Rückkehr zu den alten Mundart-Schreibweisen war nämlich bereits 1938 beschlossen worden. Als sprachliche Abgrenzung gegenüber Hitler-Deutschland machte sie damals ja auch Sinn. Weniger verständlich hingegen: dass der Bund noch 1970 an den Mundart-Schreibweisen festhalten wollte. Kein Wunder: Fast niemand machte mit. Einzig die Kantone Schaffhausen und Thurgau setzten die aufwendige Verordnung brav um. Die Grenzlage zu Deutschland mag die Musterschüler teilweise entschuldigen. Sie wurden ja auch nicht gestoppt. Erst neulich hat der Bund die unsinnige Verordnung geändert. Weil er endlich gemerkt hat, dass die Mundart-Schreibweisen nicht alltagstauglich sind. Beispielsweise haben Navigationsgeräte Mühe damit.
      Dank seiner Frau, einer Sanitäterin, wurde ein TZ-Redaktor auf das Problem aufmerksam. Bei der Sanität könnten die Mundartschreibweisen nämlich sogar tödliche Folgen haben, beispielsweise, wenn man Rotbühl sucht, nach der neuen Karte aber Roopel suchen müsste. Wie soll das einer verstehen, der nicht Thurgauer Dialekt spricht?
     Es gehe darum, das eigene Kulturgut zu schützen, verteidigte Kaspar Schläpfer die Mundart-Schreibweise. Allerdings: Geschichte darf uns doch nicht am Leben hindern. Den Holzofenherd schützen wir auch nicht, indem wir ihn immer noch benutzen. Sofort ab ins Museum mit den Flurnamen!
Kommentar des Redaktors dieser Webseite vom 31. Dezember 2009.
Die beiden folgenden Feststellungen von Frau U. Fraefel müssen berichtigt werden: "Einzig die Kantone Schaffhausen und Thurgau setzten die aufwendige Verordnung brav um." "Erst neulich hat der Bund die unsinnige Verordnung geändert."
     Für die Schreibweise der Lokalnamen gelten bis heute die Bei der von Frau U. Fraefel erwähnten Verordnung handelt es sich lediglich um die Entwürfe für zwei Verordnungen. Diese wurden von swisstopo und Kanton Thurgau ohne Rechtsgrundlage vorzeitig angewendet. Dank dem Protest zahlreicher Schweizerischer Fachvereine musste swisstopo diese beiden Entwürfe wieder zurückziehen, ohne dass diese je Rechtskraft erlangt hätten! Mehr darüber in meinem
  
Thurgauer Zeitung
Flurnamen: Kanton geht über die Bücher.   vom 31. Dezember 2009.
Von Christof Widmer (unter der Rubrik "Aufsteller").
Vollständiger Text:
Nole oder Nollen, Woorebärg oder Wahrenberg, Roopel oder Rotbühl - die Flur- und Siedlungsnamen waren dieses Jahr ein emotionales Thema im Thurgau. Sie waren in den letzten drei Jahrzehnten nach und nach amtlich festgelegt worden, damit sie in den Grundbüchern und Vermessungsplänen einheitlich geschrieben werden. Erst seit das Bundesamt für Landestopografie die geografischen Bezeichnungcn auf den Landeskartcn direkt von den Kantonen übernimmt, fallen die neu geschriebenen Namen einer breiteren Bevölkerung auf. Was für Ärger sorgt: Die kantonale Nomenklaturkommission hat eine extremmundartliche Schreibweise angewendet, deren Schriftbild die bekannten geografischen Namen teils bis zur Unkenntlichkeit entstellt!
      Kritiker waren bisher mit dem Bescheid abgespiesen worden, dass der Bund diese Schreibweise vorschreibe. Recherchen der «Thurgauer Zeitung» ergaben jedoch ein anderes Bild. in kaum einem Kanton werden Flur- und Siedlungsnamen so mundartnah geschrieben wie im Thurgau. Eine TZ-Leserumfrage zeigte, dass dieses Vorgehen in der Bevölkerung auf bares Unverständnis stösst.
     Der zuständige Regierungsrat Kaspar Schläpfer ordnete einen Marschhalt an. Eine Arbeitsgruppe überprüft nun die Schreibweise von Flur- und Siedlungsnamen. Wahrscheinlich ist, dass zumindest die umstrittenen Namen neu beurteilt werden. (wid)





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